Das ist ein Test

Die schnelle SSD-Technik hat ihre Tücken: Laut Kroll Ontrack sind SSDs zwar nicht anfälliger als normale Festplatten, die Datenrettung ist aber schwieriger und gelingt seltener. Backup nicht vergessen, wenn man eine SSD nutzt: So könnte man die Ergebnisse einer Umfrage zusammenfassen, die die Datenrettungsfirma Kroll Ontrack unter ihren Kunden durchgeführt hat. Rund 2000 IT-Verantwortliche antworteten, in 90 Prozent der vertretenen Firmen kommen demnach bereits Solid-State Disks zum Einsatz. Das spürt auch Kroll Ontrack, wo sich die Zahl der Anfragen zur Rettung von Daten von SSDs in den letzten Jahren jeweils verdoppelte. In einem Drittel der Firmen jener Kroll-Ontrack-Kunden, die auf die Umfrage geantwortet haben, sind jedenfalls schon Probleme mit SSDs aufgetreten. In 61 Prozent der Fälle gingen dadurch Daten verloren, in 18 Prozent der Fälle wurden sie gerettet. Obwohl Kroll Ontrack bei der SSD-Technik ständig dazulernt, scheitert die Datenrettung hier häufiger als bei klassischen Magnetfestplatten. Das liegt unter anderem daran, dass die SSD-Controller die Daten mit Wear Leveling nach proprietären Verfahren auf die einzelnen Flash-Chips verteilen, viele sogar verschlüsselt. Überspannungsschäden zerstören Flash-Chips, wo bei Magnetfestplatten vielleicht nur der Controller ausfällt, nicht aber die Magnetscheibe. Kroll Ontrack erwähnt auch Firmware-Updates, die bei SSDs häufiger Daten vernichten als bei gewöhnlichen Festplatten – so wie aktuell wieder bei der Samsung SSD 850 Pro.


Nicht zuverlässiger als Platten Insgesamt treten bei SSDs nach den Erfahrungen der Datenretter genauso oft Fehler auf wie bei Festplatten, obwohl die Flash-Speicher beispielsweise unempfindlicher sind gegen Stöße. Doch gegen Virenbefall, versehentliches Löschen, Brand- und Wasserschäden sowie falschen Anschluss sind sie auch nicht gewappnet. Diebstahl ist dabei nicht berücksichtigt, dann könnten Datenretter ohnehin nicht helfen. Allmählich kommen die ersten SSD-Generationen außerdem an die Grenze ihrer Lebensdauer, obwohl Ausfälle durch zu häufiges Überschreiben wohl viel seltener zu befürchten sind, als viele glauben. In der Praxis führen viele verschiedene Probleme zu Datenverlusten. Darunter sind anscheinend einige so häufig, dass theoretische Vor- und Nachteile unterschiedlicher Speichermedien im Vergleich dazu keine große Rolle spielen. Es empfiehlt sich also wie üblich, mit Backups vorzubeugen – auch, bevor man ein Firmware-Update durchführt. (ciw)